Die Aufregung um die Rote Hilfe ist weniger eine Auseinandersetzung mit ihrer konkreten politischen Arbeit als ein altbekanntes politisches Ritual: Wer links steht, soll sich rechtfertigen – nicht nur für das, was er selbst getan oder gesagt hat, sondern für das Umfeld, in dem er sich irgendwann bewegt hat. Hinzu kommt die seit Jahrzehnten bestehende Tradition des Antikommunismus, die besonders dann von der Öffentlichkeit und den Medien hervorgehoben wird, wenn an der politischen Macht gekratzt oder diese zumindest hinterfragt wird.
Im Berliner Wahlkampf wurde die frühere Mitgliedschaft der Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, in der Roten Hilfe entsprechend zum politischen Kampfbegriff gemacht. Dabei ist die entscheidende Tatsache denkbar unspektakulär: Eralp war Mitglied der Roten Hilfe, später trat sie aus. Daraus lässt sich politisch diskutieren. Was sich daraus nicht seriös ableiten lässt, ist eine automatische Identität mit jeder Position, jeder Aktion oder jedem Mitglied des Vereins. Wir sagen übrigens dazu: Schade, dass sie ausgetreten ist.
Eine konkrete Auseinandersetzung mit der Roten Hilfe, warum diese wichtig ist und warum diese in den letzten Jahren gefragter denn je wurde, scheint manchen politischen Akteuren nicht zu genügen. Lieber funktioniert die Chiffre: Rote Hilfe gleich Extremismus gleich Untragbarkeit. Ein Name, ein Etikett, eine Schlagzeile – und die politische Diskussion ist scheinbar erledigt.
Das hat eine lange Tradition. Linke Organisationen und vor allem die Rote Hilfe werden nicht selten weniger nach ihren tatsächlichen Positionen beurteilt als danach, ob sie in das gewünschte Raster passen. Wer gegen staatliche Repression protestiert, wird schnell zum Sympathisanten von Straftätern erklärt. Wer Polizeigewalt kritisiert, soll sich von „Extremisten“ distanzieren. Wer Geflüchtete, Demonstrierende oder politische Aktivist:innen unterstützt, muss plötzlich seine demokratische Gesinnung beweisen.
Die Rote Hilfe muss keine Heiligenverehrung erfahren. Sie kann und soll politisch kritisiert werden. Aber wer aus ihrer Existenz einen Generalverdacht gegen Menschen konstruiert, die irgendwann Mitglied waren/sind, betreibt keine differenzierte politische Debatte. Sie machen aus politischer Zugehörigkeit ein Stigma, eine politische Verfolgung, in die sich sogar Bundes- und Landespolitiker:innen, wie zum Beispiel der Brandenburger Innenminister Jan Redmann, einreihen.
Wir sagen: Gerade jetzt! Werdet Mitglied in der Roten Hilfe! Gegen Gesinnungsjustiz und politische Hetze!
OG Rote Hilfe Potsdam und Umland, September 2026










