Polizei geht gegen junge Menschen in Potsdam-Babelsberg vor

Den 18. März, den Tag der politischen Gefangenen, wollen wir in diesem Jahr für Öffentlichkeitsarbeit nutzen, die auf den ersten Blick wenig mit Knast und politischen Gefangenen zu tun hat. Trotzdem wollen wir diesen Antirepressionstag nutzen, um vor allem junge Menschen in den Kiezen – so wie Potsdam-Babelsberg – zu ermuntern, Polizeiwillkür nicht zu dulden und solidarisch zu sein. Auch damit es gar nicht erst zu Geldstrafen und Knast kommt.

Seit geraumer Zeit wettern die Medien und die Öffentlichkeit über junge Menschen im Babelsberger Kiez. In Zeitungsartikeln, Gesprächsrunden und Ausschüssen wird ein Problem suggeriert, dass Babelsberg ein gefährlicher Kiez und unsicher geworden ist. Die Hintergründe, zum Beispiel dass Babelsberg mehr und mehr gentrifiziert und verdichtet wurde, es kaum Räume für junge Menschen gibt, der Park restriktiv geschlossen wird und eher dem Weltkulturerbe als der Freizeitbeschäftigung und Erholung dient, sowie das Babelsberg generell alle Probleme einer mangelnden städtischen Infrastruktur wie fehlende Abfallbehälter oder Toiletten aufweist, werden nicht beleuchtet. Stattdessen werden alle tatsächlichen oder scheinbaren Probleme auf junge Menschen projiziert und Repression sowie Überwachung als Problemlösung angesehen.

So gibt es neue Überwachungskameras an verschiedenen Orten, das Ordnungsamt ist häufiger unterwegs und die Polizei kontrolliert vermehrt junge Menschen. Dabei werden jedoch nicht immer legale Mittel seitens der Polizei eingesetzt, häufig wird Druck auf die jungen Menschen ausgeübt. Berichte über das unfreiwillige Entsperren von Handys mittels aufgepressten Fingerabdrucks, das Fotografieren von jungen Menschen, das Beschatten durch Polizisten in ziviler Kleidung, Schriftprobenvergleiche, Platzverweise und das Einschüchtern von Eltern, Freunden und Schulen sind uns mitgeteilt worden. Erkennungsdienstliche Behandlungen werden häufig ohne das Nennen eines Grundes durchgeführt. Auch die Fanszene von Babelsberg 03 hat mit repressiven Maßnahmen seitens der Polizei zu tun.

Junge Menschen gelten in den Abendstunden kollektiv als potenzielle Täter:innen. Der linksalternative Fußballfan oder abhängende Jugendliche unterschiedlicher Subkulturen entsprechen einem Muster, um übereifrig in polizeiliche Maßnahmen verwickelt zu werden. So sind Personenkontrollen, Durchsuchungen und Platzverweise nicht unüblich. Der öffentliche Diskurs und das subjektive Sicherheitsempfinden wird als Erklärung für das Vorgehen und die Repression seitens der Polizei herangezogen.

Doch der Versuch, den Kiez von jungen Menschen zu säubern wird nicht funktionieren, wenn wir zusammenhalten. Wir rufen Euch deshalb auf, seid solidarisch und redet nicht – schon gar nicht mit der Polizei. Dokumentiert das Fehlverhalten und die Willkür der Polizei. Schafft Öffentlichkeit und meldet Euch bei Problemen!

OG Rote Hilfe Potsdam und Umland, März 2025

Tipps im Umgang mit der Polizei – zur Situation von jungen Menschen in Babelsberg

Im Folgenden wollen wir Euch deshalb über Eure Rechte informieren, damit Ihr wisst Ihr handeln könnt, wenn Ihr vor Fragen wie den folgenden steht: Muss ich meine Personalien angeben? Muss ich mir gefallen lassen, dass mein Rucksack durchsucht wird? Darf der Polizist/die Polizistin mein Handy sehen? Was ist mit einem Fingerabdruck oder einem Schriftabgleich?

Einfache Personenkontrolle

In Babelsberg kennen viele junge Menschen dies und sind schon einmal von der Polizei kontrolliert worden. Doch einfach ohne Grund darf Euch die Polizei eigentlich nicht kontrollieren. Laut dem Polizeigesetz darf Euch die Polizei nur anhalten und Eure Personalien feststellen zur Abwehr einer Gefahr. Natürlich fällt den Cops im Ernstfall immer etwas ein, zum Beispiel könnten Sie die Vermutung haben, dass Ihr Euch zusammenrottet, um zu sprühen oder das Leute von Euch minderjährig und nachts zu lange draußen unterwegs sind. Ob Ihr darüber diskutiert, müsst Ihr wissen. Manchmal ist einfach Ausweis zeigen und sie ziehen lassen entspannter. Vor allem solltet Ihr überlegen, was Ihr so in Taschen o.ä. habt, ob es gerade gut ist, sich auf einen Streit mit den Cops einzulassen.

Apropos Taschen: In Eure Taschen dürfen Sie nur gucken, wenn Ihr Euch weigert, Euch auszuweisen, Sie Euch einer Straftat für verdächtig halten oder davon ausgehen, dass bei einer Identitätsfeststellung von Euch eine Gefahr für die Polizei ausgeht. Widersprecht in einem solchen Fall höflich und bestimmt (wird sie nicht davon abhalten) und meldet Euch anschließend bei uns oder der Polizeikontrollstelle.

Wenn du keinen Personalausweis dabei hast kann dich die Polizei auf die Dienststelle mitnehmen und dort deine Personalien feststellen lassen. Hast du keinen Personalausweis dabei, zum Beispiel aufgrund deines Alters, dann kannst du den Namen deiner Eltern und die Adresse sagen und wirst dorthin begleitet.

Notwendige Angaben, die Du abgeben musst:

Vor-, Familien- oder Geburtsnamen, den Ort und Tag der Geburt, Familienstand, Beruf, Wohnort, Wohnung und Staatsangehörigkeit. Wenn du unter 18 bist: Namen der Eltern.

Hinweis zur Kennzeichnungspflicht von Polizeibeamten

Polizistinnen und Polizisten müssen sich Euch gegenüber ausweisen und ein Namensschild tragen. Wenn Sie in größeren Einheiten unterwegs sind, reicht eine Dienstnummer. Diese müssen Sie Euch auf Verlangen nennen. Besteht immer höflich darauf und notiert Euch die, für den Fall, dass Ihr Beschwerden habt.

Aussagen/Reden

Sollte Dir die Polizei Fragen stellen, muss Dir die Polizei mitteilen, ob sie Dich als Zeugen/Zeugin oder als Beschuldigten/Beschuldigte befragt. In beiden Fällen ist es ratsam und wichtig, die Aussage zu verweigern. Polizisten sind ausgebildet, Dir durch einfache Gespräche Informationen zu entlocken. Ohne Grund plaudern sie nicht mit Dir. Einfach nichts zu sagen, ist die beste Lösung und hilft Dir und Deinen Freundinnen und Freunden, egal wie die Polizisten auftreten. 

Durchsuchungen

Bei einem Vorfall kann dich die Polizei auch durchsuchen, aber nur wenn ein Verdacht auf eine Straftat besteht. In Babelsberg wird häufig das Argument der Sachbeschädigung oder Drogen herangezogen. Frauen bzw. weiblich gelesene Personen dürfen nur von weiblichen Beamten durchsucht werden.

Rucksack/Mitnahme von Gegenständen

Gegenstände, die in Beziehung zu Straftaten stehen oder von denen die Polizei ausgeht, dass damit Straftat verübt werden sollen, kann sie einziehen. Darüber muss sie Euch eine Bescheinigung ausstellen. Ihr müsst und solltet nichts unterschreiben. Legt Widerspruch ein und meldet Euch bei den Beratungsstellen.

Handy

Häufig versucht die Polizei an Handys und deren Daten wie zum Beispiel Fotos und andere Beweismittel zu gelangen. Das Handy ist mittlerweile in der Lebenswelt so wichtig, dass dort alles gespeichert wird. Es ist also ein datensensibler Ort. Handys sind fast immer mit einer PIN oder einem Entsperrcode gesichert. Um das Handy auslesen zu können, benötigt die Polizei jedoch die PIN oder den Entsperrcode. Auf einen Fingerabdruck zu verzichten, ist ratsam, denn ein Finger kann schnell mal raufgepresst werden. Auch ein Zettel mit Deiner PIN sollte nicht mit dabei sein. Um an die Codes zu kommen, üben Polizisten Druck aus oder machen falsche Versprechungen. Ihr seid nicht verpflichtet, der Polizei Eure Handy-PIN mitzuteilen. Ihr müsst der Polizei nie den PIN oder Entsperrcode nennen!

Schriftabgleich

Gerne hätte die Polizei von Euch Schriftproben, um Graffiti oder Tags zuordnen zu können. Ihr seid nicht verpflichtet, diese abzugeben! Auch nicht, um Euch zu entlasten. Polizei und Justiz müssen Euch nachweisen eine Straftat begangen zu haben, nicht Ihr Eure Unschuld. Und wenn neun von zehn Leuten eine Schriftprobe abgeben, um sich zu entlasten, dann belasten sie damit fast automatisch die zehnte.

Platzverweise

Wenn die Polizei Dir oder Deinen Freunden einen Platzverweis ausspricht, muss sie das gut begründen. Das gleiche gilt, wenn sie Dir oder Euch verbietet, einen Ort zu betreten. Auch hier: Widersprecht in einem solchen Fall höflich und bestimmt (der Platzverweis gilt trotzdem) und meldet Euch anschließend bei uns oder der Polizeikontrollstelle.

Festnahme und erkennungsdienstliche Maßnahmen

Wenn Dich die Polizei vorläufig festnimmt, darf sie Dich höchstens bis zum Ende des folgenden Tages festhalten. Ein weiterer Gewahrsam geht nur über einen richterlichen Beschluss. Einen solchen Beschluss braucht es auch für eine „erkennungsdienstliche Behandlung“ (Fingerabdrücke, Fotos, usw.). Liegt kein Beschluss vor, kannst Du diese Maßnahmen verweigern.

Zunächst musst du informiert werden, warum du festgenommen wirst. Die Polizei muss dich über deine Rechte aufklären, bevor sie dich befragt. Denke an die Aussageverweigerung und einen anwaltlichen Beistand. Angaben zu deiner Person musst du aber machen. Wenn du minderjährig bist, müssen deine Eltern oder die Erziehungsberechtigten informiert werden.

Rote Hilfe Tresen in der OLGA

Der Tresen der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe Potsdam findet auch im Jahr 2025 jeden 3. Mittwoch im Monat in der Kollektivkneipe Olga (Charlottenstraße 28) statt. Ca. 19:30 Uhr geht es los. Kommt gerne mit euren Fragen oder trinkt einfach etwas mit uns. Infomaterial, Rote Hilfe Zeitungen, Flyer, Sticker, etc. gibt es auch.

Nächste Termine:

Mittwoch, 19. Februar, ab 19:30 Uhr

Mittwoch, 19. März, ab 19:30 Uhr

Die Beratung der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe Potsdam ist jeden 1. Mittwoch im Monat um 19 Uhr.

Viktor ist frei!

Am 22. Januar wurde in Russland der politische Gefangene Viktor Filinkov nach sieben Jahren Haft aus dem Straflager IK-1 in der Nähe von Orenburg entlassen und nach Kasachstan abgeschoben.

Viktor, der kasachischer Staatsbürger ist und in St. Petersburg lebte und dort als Antifaschist und Gewerkschaftsaktivist zur linken Szene gehörte, wurde Anfang 2018 im sogenannten „Netzwerk-Fall“ festgenommen. Mit diesem Fall versuchte der russische Inlandsgeheimdienst FSB vor der Fußballweltmeisterschaft in Russland eine angebliche landesweite anarchistische terroristische Verschwörung zu konstruieren, die angeblich plante, die Regierung zu stürzen. Um diese Geschichte zu untermauern wurden von den Verhafteten Geständnisse erfoltert. Auch Viktor wurde in Haft gefoltert. Obwohl er diese Folter öffentlich machte, wurde er 2021 von einem Militärgericht zu sieben Jahren Lagerhaft verurteilt. Seit August 2021 befand sich Viktor in einem Straflager in der Nähe von Orenburg im Südural. Auch dort wurde er schikaniert und unter Druck gesetzt.

Doch mit Hilfe seiner Gefährtin Evgenia Kulakova wehrte er sich gegen die Schikanen und konnte auch unter den Bedingungen des russischen Haftsystems Erfolge gegen die Lagerleitung erzielen.

Unterstützt wurde er durch viele Menschen, die ihm schrieben und Geld spendeten und so zeigten, dass er nicht vergessen ist. Auch die Rote Hilfe unterstütze diesen Kampf mit einer Spendensammlung.

Wir wünschen Viktor und allen die ihm nahestehende alles Gute und viel Glück! Wir denken an die vielen anderen, die wegen ihres Widerstandes gegen autoritäre Herrschaft und Krieg in russischen Knästen sitzen. Auch sie dürfen nicht vergessen werden!

Bei seinen Neustart nach Jahren der Haft wollen wir Viktor noch einmal unterstützen und bitten um Spenden auf das Konto: RH Potsdam, IBAN: DE10430609674007238351, BIC: GENODEM1GLS GLS-Bank Bochum, Stichwort: „Piter“.

Arbeit in der Roten Hilfe wird gewürdigt

Hin und wieder passiert es ja, dass die Arbeit von Personen, die in der Roten Hilfe tätig waren, gewürdigt wird. So aktuell in Potsdam, auch wenn dies schon 90 Jahre zurückliegt. Eine Journalistin und eine Historikerin befassen sich mit Frauen, die im Nationalsozialismus Widerstand leisteten. Sie gewährten NS-Verfolgten Schutz und halfen ihnen zur Flucht, schickten Lebensmittelpakete ins Konzentrationslager und waren in der illegalen politischen Arbeit aktiv. Unter dem Titel „Potsdamerinnen im Widerstand“ wird sich so dem mutigen Wirken der fünf Frauen gewidmet. Bis Anfang Dezember werden nacheinander für jeweils eine Woche die Porträts von Hannah von Bredow, Anni von Gottberg, Maimi von Mirbach, Else Bauer und Elfriede Schneemann an die Fassade des ehemaligen Klosterkellers in der Friedrich-Ebert-Straße mitten in der Potsdamer Innenstadt projiziert. Parallel dazu stellt ein Podcast die Lebensgeschichten der Frauen vor. Darunter Elfriede Schneemann, die aktiv in der Roten Hilfe Deutschland in Nowawes/Babelsberg arbeitete. Eine gute Werbung also mitten in der Stadt und auch in der lokalen Presse für eine Organisation, die auch heute noch existiert und weiterhin wichtige Arbeit leistet, gerade in Zeiten von Repression und Rechtsruck. Vom 2. bis zum 8. Dezember 2024 wird die Biografie von Elfriede Schneemann am Ort der Lichtinstallation am Klosterkeller in der Friedrich-Ebert-Straße projiziert.

Elfriede Schneemann:
Elfriede Schneemann, geboren 1897 in Niemegk, schloss sich früh der KPD in Nowawes, dem heutigen Babelsberg, an und wurde Kassiererin der Roten Hilfe. Gemeinsam mit ihrer Schwägerin Wally Lehnert, die sich in der Frauenarbeit der KPD engagierte, sammelte sie Essen für Inhaftierte und verhalf Genoss:innen bei der Flucht ins Ausland, so etwa dem kommunistischen Widerstandskämpfer Paul Kühne, auch als „roter Taxifahrer“ bekannt. Aus Angst vor einer erneuten Verhaftung wollte er den Kampf gegen den Faschismus in Spanien fortsetzen. Es ist überliefert, dass er sich am Abend vor der Abreise mit seinem Kampfgenossen Kurt Vogel bei Elfriede Schneemann traf und sie gemeinsam Pläne schmiedeten. Als Kurt Vogel 1943 im KZ Buchenwald inhaftiert war, versorgte sie ihn mit Obst, warmer Wäsche und Geld. Während ihrer Arbeit bei der Lokfabrik Orenstein & Koppel, bei der auch ihr Ehemann Wilhelm Seiffert vor der Machtübernahme der Nazis tätig gewesen war, leistete Elfriede Schneemann sowjetischen Zwangsarbeiter:innen Hilfe. 1942 fiel ihr Sohn an der Front, 1944 starb ihr Mann. Nach Ende des Krieges war sie ehrenamtlich in der Volkssolidarität engagiert. Am 31. März 1982 starb Elfriede Schneemann in Potsdam.

Film „Solidarität verbindet – 100 Jahre Rote Hilfe“

Film „Solidarität verbindet – 100 Jahre Rote Hilfe“

Donnerstag, 05.09.2024, 20:30 Uhr
freiLand Potsdam, Friedrich-Engels-Str. 22, 14473 Potsdam
Open Air, Eintritt frei
Organisiert von Rote Hilfe Potsdam und Umland

Der Film „Solidarität verbindet – 100 Jahre Rote Hilfe“ (Dokumentarfilm, DE 2024, 109 min), der zum 100-jährigen Bestehen der Organisation erschienen ist, widmet sich der Geschichte und Gegenwart der Solidaritätsarbeit. Beginnend bei der Roten Hilfe Deutschlands in der Weimarer Republik und in der Illegalität während des NS-Faschismus schlägt der Film einen Bogen über die Neugründung von Rote-Hilfe-Strukturen in den frühen 1970er-Jahren bis zur heutigen Roten Hilfe e. V.
Beispielhafte Repressionsfälle zeigen Aktionsfelder aus diesen Phasen und nähern sich dem Thema aus verschiedenen Perspektiven: In Interviews kommen linke Aktivist*innen aus unterschiedlichen Bewegungen zu Wort, die angeklagt oder inhaftiert wurden und solidarische Unterstützung erfuhren, ebenso wie Rote-Hilfe-Mitglieder, die die Prozesse begleiteten und Kampagnen organisierten.

Prozessbegleitung

Im Zuge der kurzzeitigen Besetzung der Feuerbachstraße 36 in Potsdam am 19.10.2019 wurden die Besetzer*innen über Nacht in Gewahrsam genommen und einer erkennungsdienstlichen (ED-) Behandlung unterzogen. Da diese Maßnahmen nicht verhältnismäßig und zum Teil unrechtlich und entwürdigend waren, entschied sich die Gruppe, vertreten durch eine Person, Klage einzureichen. Die FLINTA aus der Aktions Gruppe wurden in der Nacht nach Brandenburg an der Havel versetzt und mussten sich im Rahmen der ED-Behandlung im lange andauernden Gewahrsam unter anderen komplett entkleiden.

Der Verhandlungstermin zur Klage gegen die Polizei ist für den 27.08.2024 um 10.00Uhr am Landgericht Potsdam in der Jägerallee gesetzt.
…. und ihr seid eingeladen den Prozess zu begleiten, gemeinsam ab 9Uhr vor dem Gericht zu frühstücken (bringt für alle was mit, Bella Vita!) und über Leben und Wohnen im Kapitalismus ins Gespräch zu kommen.

Rote Hilfe Tresen am 17.07.24

Der Tresen der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe Potsdam findet aktuell jeden 3. Mittwoch im Monat in der Kollektivkneipe Olga (Charlottenstraße 28) statt. Ab 19 Uhr ca. geht es los. Kommt gerne mit euren Fragen oder trinkt einfach etwas mit uns. Infomaterial, Rote Hilfe Zeitungen/Zeitschriften, Flyer, Sticker, etc. gibt es auch.

Die Beratung der Roten Hilfe e.V. Ortsgruppe Potsdam ist jeden 1. Mittwoch im Monat um 19 Uhr.

Wer ist die Rote Hilfe?

Die Rote Hilfe ist eine Solidaritätsorganisation, die politisch Verfolgte aus dem linken Spektrum unterstützt. Sie konzentriert sich auf politisch Verfolgte aus der BRD, bezieht aber auch nach Kräften Verfolgte aus anderen Ländern ein. Unsere Unterstützung gilt allen, die als Linke wegen ihres politischen Handelns, z.B. wegen presserechtlicher Verantwortlichkeit für staatsverunglimpfende Schriften, wegen Teilnahme an spontanen Streiks oder wegen Widerstand gegen polizeiliche Übergriffe ihren Arbeitsplatz verlieren, vor Gericht gestellt, verurteilt werden. Ebenso denen, die in einem anderen Staat verfolgt werden und denen hier politisches Asyl verweigert wird.

Hat die Kneipe gerade offen? check: https://olga.ch28.org/

Website der Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Potsdam: https://potsdam.rote-hilfe.de/

Welch Skandal: Solidarität bleibt notwendig!

Wieder einmal arbeitet sich Henri Kramer in den Potsdamer Neueste Nachrichten an der Roten Hilfe ab. Im Artikel „Erster Wechsel bei Stadtverordneten“ vom 04.07.2024 geht es nicht etwa um die Gründe für den Verzicht von Iris Burdinski oder gar die Vorstellung des neuen Mandatsträgers Tobias Woelki, sondern allein um den erneuten Versuch der Skandalisierung: Tobias Woelki ist Mitglied der Roten Hilfe! Das einzige Argument dagegen ist: Unsere Organisation wird vom „Verfassungsschutz“ beobachtet! Dass sich Henri Kramer bei der Bewertung der Roten Hilfe ausgerechnet auf den „Verfassungsschutz“ verlässt, spricht Bände. Der „Verfassungsschutz“ beobachtet Organisationen wie Attac und verfolgte über Jahre unter vielen anderen Bodo Ramelow (heute MP von Thüringen), während deren jahrelanger Chef Hans Georg Maßen heute einer der führenden rechtsextremen Verschwörungstheoretiker ist. Dessen Vorgänger im Amt beschäftigten über 100 V-Leute im engsten Umfeld des NSU. Der „Verfassungsschützer“ Andreas „Klein Adolf“ Temme war sogar während eines NSU-Mordes in Kassel anwesend. Aber von den Morden, Bombenanschlägen und Überfällen des NSU will der „Verfassungsschutz“ bis heute nichts gewusst haben.

Trotzdem – und wahrscheinlich muss man sagen: genau deswegen – gehöre es in der „politischen, bürgerlichen Linken“ laut Kramer „weiterhin zum politischen Habitus sich zur Mitgliedschaft in der Roten Hilfe zu bekennen“. Bessere Werbung kann es für uns an unserem 100jährigem Jubiläum kaum geben. Die Rote Hilfe hat seit ihrer Gründung zahlreiche „bürgerliche“ Mitglieder und Unterstützer:innen. Die Kampagnen der historischen Roten Hilfe wurden unter anderem von Albert Einstein, Kurt Tucholsky, Käthe Kollwitz, Heinrich Zille, Magnus Hirschfeld und Max Liebermann unterstützt. Auf „Zeit Online“ erschien jüngst ein langer Artikel über den vielfach geehrten Hans Litten, ein Rote Hilfe Anwalt und einer der wichtigsten Kämpfer gegen den aufziehen Nationalsozialismus der Weimarer Zeit.

Heute sehen neben vielen Landtags- und Bundestagsabgeordneten aus der Partei Die Linke auch viele Menschen von den Jusos/SPD, den Grünen oder der Piratenpartei die Notwendigkeit einer großen strömungsübergreifenden Solidaritätsorganisation, die Menschen bei ihren juristischen Problemen unterstützt. Diese tauchen unweigerlich auf, wenn man versucht die bestehenden Verhältnisse zu verändern. Sei es durch die diversen illegalen Polizeimaßnahmen in Zusammenhang mit Demonstrationen, die aber leider immer erst im Nachhinein als diese erkannt wurden oder bei direkten Aktionen, wie der Blockade von Kohlekraftwerken. Die politische Repression durch Polizei und Justiz hat eine lange Geschichte. Das diese nicht abgeschlossen ist, musste jüngst die Klimabewegung erfahren: Gegen sie wird vollkommen überzogen mit geheimdienstlichen Mitteln wegen der Gründung einer Kriminellen Vereinigung ermittelt, um sie handlungsunfähig zu machen. Oder die antifaschistische Bewegung: Die Demonstrant:innen gegen den AfD-Parteitag in Essen waren von massiven Übergriffen der Polizei betroffen.

Solidarität mit den Betroffenen bleibt notwendig.
Nicht umsonst wächst die Rote Hilfe seit Jahren immer weiter.
Deswegen: Rein in die Rote Hilfe!

OG Rote Hilfe Potsdam und Umland

Veranstaltungen zum Tag der politischen Gefangenen

Der 18. März wird international als der „Tag der politischen Gefangenen“ begangen. Das Datum erinnert an den Aufstand und die Niederschlagung der Pariser Kommune im Jahr 1871. Als ROTE HILFE führen wir zu diesem Tag verschiedene Aktionen und Veranstaltungen durch. In Potsdam möchten wir zusammen mit der Fangruppe SEKTOR M in diesem Jahr auf die Situation in Belarus aufmerksam machen.

Die ehemalige sowjetische Volksrepublik Belarus wurde im Jahr 1991 unabhängig. Die kurze Phase des Aufbruchs in die Freiheit endete im Sommer 1994 als Aljaksandr Lukaschenka unter fragwürdigen Bedingungen zum Präsidenten gewählt wurde. Seitdem transformierte er das Land in eine autokratisch regierte Diktatur, die spätestens nach den Protesten 2020 im Zuge der offensichtlich gefälschten Präsidentschaftswahl und dem russischen Überfall auf die gesamte Ukraine auch von belarusischem* Territorium zum totalitären Vasallen des russischen Imperiums wurde.

Willkür, Folter, Misshandlungen, sexualisierte Gewalt und Verschwindenlassen von Regierungsgegner:innen waren und sind spätestens seit 2020 für die Menschen in Belarus alltäglich. Aktuell gibt es laut der belarusischen* Hilfsorganisation Viasna fast 1500 politische Gefangene im Land. Davon sind ungefähr 10 Prozent Frauen. Ende Januar wurden 84 Personen, unter ihnen zahlreiche Angehörige von politischen Gefangenen, festgenommen.

Die ROTE HILFE Potsdam und SEKTOR M wollen unmittelbar nach dem „Internationen Frauentag“ und anlässlich des „Tag der politischen Gefangenen“ über die Situation in Belarus informieren und wir wollen unsere solidarische Unterstützung für Inhaftierte im Land zeigen. Hierzu laden wir zu einer Lesung von im Verlag edition.fotoTAPETA veröffentlichten Texten gefangener Frauen in den Potsdamer Buchladen SPUTNIK am Mittwoch, den 13. März, um 19:30 Uhr ein. Am Freitag, den 15. März sind wir ab 18 Uhr beim Heimspiel des SV Babelsberg 03. Dort laden wir ein, an inhaftierte Aktivist:innen aus der MTZ-Ripo Fanszene Postkarten zu schreiben. Außerdem sammeln wir Spenden für die Gefangenen.

Kommt vorbei! Informiert euch! Schreibt an die politischen Gefangenen! Seid solidarisch!

*Belarusisch und Russisch sind unterschiedliche Sprachen und beide sind die offiziellen Amtssprachen in Belarus. Belarusisch ist eine alte Schriftsprache. Russisch ist die Sprache der kolonialen Erober*innen und sowjetischen Besetzer*innen, welche die Russifizierung des Landes mörderisch forcierten. Deshalb dominiert trotz formaler Gleichstellung die russische Sprache bis heute und zunehmend in allen Bereichen und Menschen, welche die belarusische Sprache verwenden, werden im Alltag diskriminiert.

Die Verwendung des Adjektivs „belarusisch“ ist dementsprechend eine bewusst sprachpolitische Abgrenzung vom imperialistischen Russland und ein Akt der anti-kolonialen Emanzipation. Für uns ist die Verwendung auch ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen in Belarus, die im Alltag, in politischen Zusammenhängen und auch in den Knästen nur durch die Verwendung des Belarusischen Widerstand gegen das Regime leisten. Aus den genannten Gründen kann und muss es für uns deshalb „belarusisch“ sein.

Flyer zur Lesung im Buchladen Sputnik

Flyer zum Soli-Karten-Schreiben im Karli