Am Montagmorgen, den 23. Februar 2026, wurde eine Person aus der linken Fanszene vom SV Babelsberg 03 von einer Frau angerufen, die sich auf Nachfragen als Frau „Dahms“ vorstellte. Sie wollte mit der betroffenen Person einen Termin vereinbaren und lockte sie mit dem Angebot, etwas aus der Akte der betroffenen Person löschen zu wollen. Augenscheinlich ging es um Einträge in der Datei Gewalttäter Links mit Fußballfanbezug zum SV Babelsberg 03. Die Frau, die sich als Mitarbeitende der „Fachstelle für Sicherheitsbelange“ ausgab, teilte mit, sie könne sich nicht vorstellen, dass die betroffene Person für einen betreffenden polizeilichen Eintrag verantwortlich sei und würde sich gerne mit ihr dazu austauschen. Die Person sei ja so jung und in dem unverbindlichen Treffen könne man diesen Vorfall aus der Welt schaffen. In dem Telefonat trat Frau „Dahms“ sehr freundlich und zuvorkommend auf und vereinbarte einen Termin für ein kurzes Treffen am darauffolgenden Freitagvormittag. Sie verblieben in der Absprache für ein weiteres Telefonat, um Ort und Zeit mitzuteilen. Frau „Dahms“ betonte, sie hätte mehrere Büros in der Stadt.
In dem ersten Telefonat ging es um die Abklärung zur Bereitschaft eines Treffens, in dem sich die angesprochene Person überrumpelt sah. Schnell jedoch suchte die angesprochene Person Unterstützung bei lokalen Antirepressionsstrukturen. Hier wurde das weitere Vorgehen geklärt, zu keinem Treffen zu gehen, klar die Ablehnung in einem der nächsten bevorstehenden Telefonate vorzutragen und ein Gedächtnisprotokoll anzufertigen.
Frau „Dahms“ versuchte daraufhin in den nachfolgenden Tagen mehrmals die betroffene Person anzurufen. In einem letzten telefonischen Gespräch versuchte Frau „Dahms“ für ein persönliches Treffen zu werben und schlug als Ort den Haupteingang des Ministeriumsgeländes in der Heinrich-Mann-Allee 107 vor. Dort befindet sich unter anderem die Landesregierung Brandenburg mit der Staatskanzlei und anderen Landesministerien. Sie wolle dort die betroffene Person abholen und für das Gespräch ein externes Büro auf dem Gelände aufsuchen. Auf Nachfragen der betroffenen Person, woher sie die Telefonnummer habe, antwortete Frau „Dahms“, dass sie diese von der Polizei hätte. Ob sie für den Verfassungsschutz arbeite verneinte sie, und gab die oben genannte Behörde an. Bei den Nachfragen und der Erkenntnis, dass sich wohl kein Gespräch anbahnen würde, reagierte sie ungehalten und nicht mehr so freundlich wie am Anfang. Es folgte schließlich der Kontaktabbruch.
Sowohl Auftreten am Telefon, das Benennen einer „Scheinbehörde“ als auch die Konspiration für ein potentielles Treffen lassen auf einen Anquatschversuch des Verfassungsschutzes (VS) Brandenburg schließen. Bei der betroffenen Person handelt es sich nach Ansicht des Verfassungsschutzes wohl um eine „interessante“ Person bezüglich Informationsgewinnung, weil Informationen gleichermaßen aus teilweise politisch agierender Fanszene und politischer Szene ertragsbringend erscheinen. Immer wieder versuchen staatliche Behörden durch geschulte Mitarbeitende, politisch aktive Menschen für eine Mitarbeit anzuwerben. Ziel der Anquatschversuche ist es, Informationen über politische Initiativen, linke Strukturen und in unserem Fall eine politisch agierende Fanszene zu gewinnen. Dabei kann es jede Person treffen.
Die betroffene Person agierte nach dem ersten Schrecken besonnen und richtig und suchte Kontakt zu erfahrenen Personen aus der Antirepressionsbewegung. Aus jahrzehntelanger Erfahrung wissen wir, dass der offene Umgang mit Anquatschversuchen der beste Schutz für Betroffene und deren Umfeld ist. Wichtig ist es, keine Informationen an staatliche Sicherheitsbehörden preiszugeben, egal wie die Kontaktaufnahme, der emotionale Druck oder potentielle Lockangebote aussehen. Es ist nicht nur dein eigener Schutz, sondern auch der Schutz deiner Freunde und Strukturen!
OG Rote Hilfe Potsdam und Umland, Februar 2026
Infos zu Anquatschversuchen gibt es hier: https://rote-hilfe.de/rechtshilfetipps/anquatschversuch
